Chronik
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6. August 1895 | Als „Treptower Schwimmverein" gegründet. Die sieben Gründungsmitglieder geben dem Verein das Motto: „Einer für alle, alle für einen". |
1898 | Der Verein wird in Berliner Schwimmverein „ Friesen 1895" umbenannt. |
1900 | Es wird ein Prüfungsschwimmen in der Krummen Lanke veranstaltet. Das Stadtbad Baerwaldstraße wird eröffnet. Hier trainieren die „ Friesen " viele Jahre, besonders in der Winterzeit. |
Juni 1901
| Es erscheint die erste Friesen zeitung: vier Seiten stark. Monatliche Ausgaben folgen. |
Dezember 1906 | Die Friesen zeitung wird wegen zu hoher Kosten eingestellt. |
1908 | Die Mitgliederzahl beträgt 165. |
1912 | Das Mitteilungsblatt erscheint wieder. |
1913 | 17 Damenmitglieder gründen eine Damenabteilung. |
27. Februar 1914 | Die „ Friesen " werden ein „eingetragener Verein". |
1915 | 390 Mitglieder sind bei den „ Friesen ". |
1920 | Das 25-jährige Bestehen der „ Friesen " wird gefeiert. Die Mitgliederzahl beträgt 902. |
1930/31 | Der Verein ist dem Ruin nahe. |
1937 | Das Startrecht für „Vereinsmitglieder" endet. Bei Wettkämpfen dürfen nur noch Mitglieder der HJ antreten. Im Februar erscheint das letzte Friesen heft: „Nachrichten". |
1945 | Das 50-jährige Bestehen wird nicht gefeiert. Sportvereine gelten nach dem Krieg als aufgelöst. Jegliche sportliche Betätigung ist von den Alliierten verboten worden. |
7. März 1949 | Es wird die Wiederzulassung der „ Friesen " als nichtpolitische Organisation bei der Alliierten Kommandantur Berlin beantragt. |
7. März 1950 | Die fünf Mitglieder der Wiedergründung legen ihre Ämter nieder, und es wird ein neuer Vorstand gewählt. |
10. August 1950 | Es wird das Columbiabad eröffnet. |
1954 | Als das Seebad Mariendorf seine Pforten schließt, ist der Bezirk Tempelhof ohne Schwimmbäder. |
30. Juli 1955
| Das Sommerbad Mariendorf wird eröffnet. Die „ Friesen " haben schon wieder über 500 Mitglieder. |
20.Juni1961 | Grundsteinlegung des Stadtbades Tempelhof in der Götzstraße. |
7. März 1964 | Die Schwimmhalle in der Götzstraße wird eröffnet. |
15. Mai 1964
| Die „ Friesen " erhalten erstmalig ein Vereinsheim: einen gemieteten Keller in der Prühßstraße. |
September 1967 | Das Training der „ Friesen " im Baerwaldbad wird eingestellt. Der Verein trainiert fortan nur noch in Tempelhof. |
1969 | Die „ Friesen " haben über 1100 Mitglieder. Man bekommt die Möglichkeit, die Adlermühle als Jugend- und Freizeitheim zu nutzen. Ein neues, modernisiertes Vereinsemblem erscheint auf der Friesenzeitung. |
1970
| Das 75-jährige Bestehen der „ Friesen " wird mit einem großen internationalen Schwimmfest gefeiert. |
6. März 1971
| Über dem Sommerbad Mariendorf wird die Traglufthalle eingeweiht. |
1973 | Gründung einer Startgemeinschaft mit dem SC Poseidon. |
7. April 1975 | Das Kombibad am Ankogelweg wird eröffnet. |
15. Juli 1977
| Die hauptamtliche Geschäftsstelle des BSV „ Friesen " wird in der Adlermühle eingerichtet. |
15. Oktober 1977 | Die Startgemeinschaft mit dem SC Poseidon wird im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst. |
1978
| Die größte Mitgliederzahl in der 100jährigen Geschichte der „ Friesen ": 1343. |
1979 | 10jähriges Bestehen des Jugend und Freizeitheims Adlermühle. |
19.Juni1981
| Einweihung der für insgesamt 1,3 Mio. Mark komplett renovierten Adlermühle. |
15. -17. März 1985 | 48-Stunden-Marathonschwimmen anlässlich des 90jährigen Bestehens der „ Friesen ". Es wird eine Staffel mit 1748 Teilnehmern in 48 Stunden gebildet. |
25. Mai 1985 | Im BSV „ Friesen " wird eine Triathlon Mannschaft gegründet. |
3. März 1989
| Der Vorsitzende wird durch ein Mißtauensvotum auf der Jahreshauptversammlung von den Mitgliedern abgewählt. |
1990
| Es wird das „100jährige Bestehen der Adlermühle in Mariendorf" gefeiert. |
1995
| Die Friesen feiern 100 Jahre BSV – Friesen mit zahlreichen Veranstaltungen. |
1995 | Mitgliederversammlung beschließt Arbeitsstunden für alle Mitglieder |
1996 | Der BSV-Friesen schließt einen Nutzungsvertrag ab um Schwimmzeiten zu nutzen. Die Vereine müssen für Einlasskontrolle, Rettungsschwimmeraufsicht und Grobreinigung sorgen. |
1998 | Schwere finanzielle Zeiten. 18% der Mitglieder zahlen die Beiträge nicht Satzungsgemäß. |
1. November 1998 | Mühle erhält wieder alle 4 Flügel. Zwei waren bei einem Sturm abgebrochen bzw. stark beschädigt worden. |
2002 | Der BSV-Friesen erhält vom Senat von Berlin eine Ehrung für die „Beste Jugendarbeit im Jahre 2001“ |
Vorsitzende des BSV Friesen 1895 e. V.
06. August 1895 | Gründung Ernst Schmidt |
Bis 1905 | keine Unterlagen |
1906 | A. Kirseck |
Bis 1911 | keine Unterlagen |
1912 – 1913 | Eduard Ebert |
1914 – 1918 | Gustav Otto |
1919 – 1922 | Emil Schulz |
1923 – 1925 | Kurt Trepte |
1926 | Erich Otto |
1927 – 1928 | Emil Rückert |
1929 | Erich Otto |
1930 | Eduard Ebert |
1931 – 1938 | Erich Otto |
23. September 1949 | Neugründung |
1950 – 1951 | Kurt Witte |
1952 – 1953 | Wilhelm Kowalski |
1954 – 1959 | Erich Otto |
1960 | Erich Wroblewski |
1961 – 1964 | Gurt Heublein |
1965 – 1966 | Arthur Heibig |
1967 – 1973 | O.W. Kley |
1974 – 1975 | Konrad Leifeld |
1976 – 1983 | Claus Wischner |
1984 – 1985 | Reinhard Meißner |
1986 – 1988 | Claus Wischner |
1989 | Willi Donners |
1990 – 1995 | Dierk Lause |
1996 – 2001 | Kurt Bünger |
2002 | Komm. Ronald Meißner |
Ab 2003 | Ronald Meißner |
Karl Friedrich Friesen

Aus dem Leben und Wirken des Mannes, der unserem Verein den Namen gab
Karl Friedrich Friesen: geboren am 28.9.1784 in Magdeburg, Peterstraße 14. Er ist am 15.3.1814 in La Lobbe, Frankreich, gefallen. Wer war Karl Friedrich Friesen, dem zu Ehren sich unser Verein den Namen gab? Die Gründer des Berliner Schwimmverein „Friesen 1895" wählten sich ihn als Leitbild des Schwimmsports und als Inbegriff zwangloser Selbsterziehung zum Vorbild.
Er war der voreheliche Sohn des ehemals königlich-preußischen Feldwebels Johann Friedrich Friese, der am 10.5.1787 das freie Bürgerrecht in Magdeburg erhielt und sich von da ab Friesen nannte. Als späterer Niederlagsbuchhalter für Akzise und Flombage (Zolleinnehmer) heiratete er 1788 in zweiter Ehe die verwitwete Luise Marie Gramecke, geb. Lange. Friedrich verlor seinen als energisch und korrekt bekannten Vater bereits im Alter von neun Jahren. Der Mutter, die der Sohn verehrte, oblag die weitere Erziehung. Über seinen Schulbesuch weiß man wenig. Umso mehr ist von den Unterweisungen in Mathematik, Naturwissenschaften Lind Terrainlehre (Bau und Festungsplanung), auch in Französisch bekannt. Diese Lehrfächer vermittelte ihm der spätere Konsistorialrat Mellin, der Friesen 1800 auch konfirmierte. Offenbar stark angeregt durch Mellin, wollte Friedrich das Baufach studieren, was aber damals nur in der neugegründeten Berliner Bauakademie möglich war. So zog er mit der Mutter, einer gebürtigen Berlinerin, an die Spree. Hier in Berlin bestand er 1802 die Bauleiterprüfung. Als Kartograph zeichnete er den „Mexikanischen Atlas" anhand der Ergebnisse mittelamerikanischer Forschungen Alexander von Humboldts. Angeregt von Fichtes „Rede an die deutsche Nation", die Friesen während seiner Studien an der Berliner Universität so beeindruckte, fand er hierdurch veranlasst seinen zukünftigen Beruf als Pädagoge. Der Menschenführung verschrieben und ausgebildet, trat er 1808 als Lehrer in die Plamannsche Erziehungsanstalt ein, wo nach Pestalozzis pädagogischen Grundsätzen unterrichtet wurde.
Friesen als Erzieher und Turnlehrer und sein Einsatz im Freikorps Lützow
Neben dem vielseitig geübten Athleten Friesen als Lehrer kamen 1809 Wilhelm Harnisch und 1810 Freiherr Ludwig Jahn, vom „grauen Kloster" kommend, hinzu. Diese drei bildeten die treibende Kraft, die sich für „freie Geistesentfaltung" und gymnastische Ausbildung und damit Leistungssteigerung des Schülers einsetzte. Ausgelöst durch Preußens vernichtende Niederlage (Jena - Auerstedt, 10.10.1806), die Zwangsherrschaft Napoleon I. und überzogenen Kontributionsforderungen einschließlich Einquartierungen in Bürgerhäusern, verstärkte und formierte sich die Freiheitsbewegung im Volk. In rascher Folge - und hier nur stichwortmäßig aufzugreifen - war Friesen wegweisend beteiligt:
1808: Er gründete als Fechtmeister den Fechtverein, der organisatorische Züge eines Geheimbundes besaß.
1809: Kundschaftsdienste für Major v. Schill im französisch besetzten Magdeburg (Ermittlung der Garnisonsstärke).
1810: Mitbegründer des konspirativen Deutschen Bundes, dessen Treffpunkt der „Dustere Keller" vor dem Halleschen Tor war.
1811 errichtete er gemeinsam mit Palm die erste deutsche Schwimmanstalt an der Spi-ee mit den Halloren Tichy und Lutz als Schwimmmeister, scherzhaft „Badehütte der Tichyschen Frösche" bezeichnet. Im selben Jahre war Friesen aktiver Vorturner auf dem ersten deutschen „Turnplatz", den Freiherr Ludwig Jahn auf der Berliner Hasenheide eröffnete. Weithin wurde der „Friesenkampf" bekannt: das Schwimmen zusätzlich zu den Turnkunstübungen.
1812 trafen sich zu gemeinsamen Turnübungen in der Hasenheide mehr als 500 Teilnehmer, die Zahl wuchs zusehends. Friesens Denkschrift erscheint: „Ordnung und Einrichtung der deutschen Burschenschaft". Ende des Jahres beraten Staatsminister von Hardenberg, Friesen und Jahn den Plan zur Gründung einer Freischar. 1813 sind Friesen und Jahn die ersten Freiwilligen, die zur Bildung des Lützower Freikorps nach Breslau reisen (29.1.1813). Am 3.2. ruft der preußische König zur Teilnahme auf. Am 23.2. ist Friesen in geheimer Mission als Kurier von Hardenberg mit vertraulicher Botschaft auf dem Wege zu Oberst von Knesebeck unterwegs, welcher in Kalisch die Verhandlung mit dem Zaren Alexander von Rußland über gemeinsame Vorgehen gegen Napoleon führte.
Das von Freiherr Adolf von Lützow gebildete Freikorps bestand aus Infanterie (zu der Jahn als Instrukteur ging) und aus Kavallerie, zu welcher Friesen sich meldete. In dieser aus Freiwilligen und Angeworbenen bestehenden Einheit waren auch Angehörige nicht-preußischer Länder vertreten. Sogar zur standrechtlichen Erschießung von Andreas Hofer in Mantus kamen einige Tiroler Standschützen. Im freiwilligen Jägerkorps waren die Monturen in den Farben Schwarz-Rot-Gold gehalten. Friesens von Scharnhorst zugewiesene Aufgabe bestand darin, hinter der französischen Linie zu operieren, Kundschaftsdienste zu leisten und durch Aufbringen des napoleonischen Nachschubs die Formierung der Armee zu behindern. Napoleons Hass auf die von ihm mit „Noir Brigands" bezeichneten Lützower war zu verständlich. (Bekanntes Lied: „...das ist Lützows wilde, verwegene Jagd...")
Der Tod in den Ardennen
Bei Kämpfen alliierter Truppen mit Napoleons Armee wurden Lützows Ulanenschwadrone in heftige Kämpfe verwickelt und voneinander getrennt. Friesen, der an einem Flussübergang auf Lützows Bruder wartete, zählte zu den versprengten Reitern und fand keinen Anschluss mehr zur Schwadron. Alleingeblieben, des Weges im Wald von Huilleaux unkundig, befragte er zwei holzfällende Bauern, die ihn nach dem Dorf La Lobbe führen wollten. Schließlich wurde er unterwegs von mehreren Angehörigen der Nationalgarde überfallen und im Handgemenge durch Kolbenschläge, Axthiebe und Flintenkugeln getötet. Ausgeraubt ließ man den nackten Leichnam zurück, der anderntags vom Maire (Bürgermeister) des Ortes abgeholt und auf dem Friedhof bestattet wurde. Friesen galt bei den Lützowern als verschollen. Nachforschungen führten zu nichts. Erst am 5./6.12.1816 gelang es seinem Freund, Leutnant Freiherr von Vietinghoff, durch französische Hinweise, die ausgegrabene Leiche aufgrund seiner Kenntnis von Friesens früheren Fechtverletzungen am Kopf zu identifizieren. Vietinghoff, eingedenk des beidseitig vereinbarten Versprechens, wenn einer von beiden den Krieg überlebt, dafür zu sorgen, dass der andere in der Heimat seine letzte Ruhe finden sollte, konnte bedingt durch ständigen Standortwechsel diese Zusage nicht umgehend erfüllen.
Das ist einmalig Friesens Gebeine wurden in einen „Koffersarg" gebettet. 26 Jahre lang - bis Vietinghoff als Oberstleutnant in den Ruhestand verabschiedet wurde - zählte dieses makabere Requisit zu seinem Reisegepäck. Erst 1842, nach Berlin zurückgekehrt, reichte er ein Bestattungsgesuch ein, das von Friedrich Wilhelm IV am 16.3.1843 mit dem schriftlichen Vermerk: „...bei Vermeidung allen Aufsehens" genehmigt wurde. Der Grund: Trotz unbestreitbarer patriotischer Verdienste befürchtete der König, dass Friesens Beisetzung die bestehende Auseinandersetzung zwischen unzufriedenen Reformern einerseits und Privilegien des alten Staatswesens andererseits verschärft, was bei der Beliebtheit Friesens in der Studentenschaft, im Turnerbund der alten Lützower und anderen Verbindungen zutraf. Die Bestattung auf dem Berliner Invalidenfriedhof am 15.3.1843 gestaltet sich zur postumen Ehrung. Sein Sarg wurde zur Rechten des Militärreformers Scharnhorst beigesetzt.
Heute, was bleibt
Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen. Schon Franz Grillparzer (1791-1872), österreichischer Dichter und Archivdirektor in Wien, erkannte zu seiner Zeit: „Der Weg der neuen Menschheit geht von der Humanität durch die Nationalität zur Brutalität". Hüten wir uns, in dieser Richtung den Weg fortzusetzen! Friesen - als Leitbild - bleibt für uns zeitlos jung in der Erinnerung. Sein überzeugtes Handeln als fortschrittlich erziehender Pädagoge, Turnlehrer, Schwimmer, hervorragender Reiter und Fechtmeister, seine Entwicklungshilfe - die zur Begründung der studentischen Burschenschaft führte -, die Bildung des geheimen Deutschen Bundes und letztlich sein Einsatz im Lützower Freikorps sind auch heute noch beispielgebend. Nichts als die Rückkehr zur Humanität kann den offenkundigen Verfall von Anstand und Moral aufhalten, die sinnlosen Kriege vermeiden helfen.
O. W Kley
Ehrenvorsitzender BSV-Friesen
Aus der Festzeitschrift zum 100 jährigen Jubiläum des BSV - Friese